Evaluation des Projekts Housing First der Diakonie Saar

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  • Ort: Saarland
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Dokumentenart: Evaluationsbericht
  • Kategorien: Bedarfe & Herausforderungen, Empfehlungen & Lessions Learned, Kosten und Finanzierung

Autor:innen: Volker Busch-Geertsema, Axel Steffen
Herausgeber / Durchführung: Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e. V. (GISS)
Auftraggeberin: Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit des Saarlandes

Der Bericht evaluiert das Housing-First-Angebot der Diakonie Saar in Saarbrücken und Völklingen. Im Mittelpunkt stehen die Erreichung der Zielgruppe, Wohnraumversorgung und Wohnbegleitung, die Umsetzung der Housing-First-Prinzipien sowie Empfehlungen zur Optimierung, Verstetigung und Überführung in die Regelfinanzierung.

Inhaltsverzeichnis Kernpunkte

Empfehlungen und Lessions Learned

S. 16–23: Wohnraumakquise und -vermittlung, Verlauf der Mietverhältnisse, Organisation und Intensität der Wohnbegleitung sowie Reflexion des Personalbedarfs. S. 28–30: Bewertung der Umsetzung der acht Housing-First-Prinzipien. Das Projekt setzt diese mit kleineren Einschränkungen weitgehend um. Besonders positiv bewertet werden Wahlfreiheit und Freiwilligkeit, Trennung von Wohnen und Unterstützung sowie der Harm-Reduction-Ansatz. S. 31–34: Konkrete Empfehlungen für eine Überführung in die Regelfinanzierung, darunter niedrigschwellige Zugänge, flexible Fallpauschalen, ein Personalschlüssel von etwa 1:8, multiprofessionelle Unterstützung sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnraumakquise.

Bedarfe und Herausforderungen

S. 13–16: Herausforderungen bei Zielgruppenerreichung und Aufnahme. Kritisch diskutiert werden insbesondere das relativ aufwendige Aufnahmeverfahren, die Prüfung einer „intrinsischen Motivation“ sowie die teilweise Aufnahme von Personen, die nicht der originären Housing-First-Zielgruppe entsprechen. S. 16–19: Die Wohnraumakquise wird als zentrale strukturelle Herausforderung beschrieben. Das Angebot ist stark vom privaten Wohnungsmarkt abhängig; kommunale bzw. öffentliche Wohnungsunternehmen stellen nur wenige Wohnungen zur Verfügung. S. 22–24 und 31–34: Weitere Bedarfe betreffen Personalressourcen, psychiatrische bzw. psychologische Expertise, aufsuchende Arbeit, die Vermeidung bürokratischer Zugangshürden und eine strukturell verbesserte Wohnraumversorgung.

Wirkung: Lebensqualität

S. 25–28: Die Interviews und Einschätzungen von Kooperationspartner*innen weisen auf Verbesserungen der subjektiven Lebenssituation hin. Genannt werden weniger Stress, mehr Struktur und Selbstbestimmung, gestärktes Selbstbewusstsein und eine insgesamt positivere Bewertung des eigenen Lebens.

Wirkung: Gesundheit & Wohlbefinden

S. 25–30: Kooperierende Fachstellen berichten, dass Teilnehmende nach Wohnungsbezug teilweise „weniger gestresst“, „ruhiger“ und stabilisierter wirkten. Bei einzelnen Personen werden positive Entwicklungen beim Substanzkonsum beschrieben; zugleich treten auch gesundheitliche Verschlechterungen auf. S. 26–28: In den Interviews berichten Teilnehmende unter anderem von Unterstützung bei gesundheitlicher Versorgung, Therapie und Umgang mit Suchtdruck. Einzelne beschreiben mehr Struktur, gestärktes Selbstbewusstsein, weniger Stress und reduzierten Alkoholkonsum.

Wirkung: Soziale Integration

S. 25 sowie 27–29: Die Ergebnisse sind ambivalent. In mehreren Fällen konnte wieder Kontakt zu Kindern aufgebaut werden. Gleichzeitig bestehen teilweise weiterhin überwiegend Kontakte zur Konsum- bzw. Wohnungslosenszene, und soziale Isolation kann sich nach dem Einzug in eine eigene Wohnung sogar verstärken. S. 29: Die Überwindung sozialer Isolation und die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe werden ausdrücklich als weiterhin bestehende Aufgabe bewertet.

Wirkung: Wohnstabilität

S. 16–19: Von 53 aufgenommenen Personen konnten 45 mit Wohnraum versorgt werden. Unter Ausschluss der Fälle mit unbekanntem Wohnstatus ergibt sich zum Evaluationszeitpunkt eine Wohnstabilitätsquote von 83 bis 89 Prozent. Selbst unter der Worst-Case-Annahme, dass sämtliche unbekannten Fälle erneut wohnungslos wurden, liegt die Quote noch bei 63 bis 67 Prozent. S. 33: Im Fazit wird hervorgehoben, dass von den Personen mit bekanntem Wohnstatus mehr als 80 Prozent weiterhin in eigenem Wohnraum leben, teilweise bereits seit mehreren Jahren.

Wirkung: Zufriedenheit

S. 17 und 25–27: Die interviewten Teilnehmenden zeigen sich überwiegend zufrieden bis sehr zufrieden mit ihren Wohnungen. Auch die Wohnbegleitung wird ausgesprochen positiv beurteilt. Einzelne Kritikpunkte betreffen zu wenig Unterstützung in Krisensituationen beziehungsweise den Wunsch nach mehr Zeit für persönliche Begleitung.

Wirkung: Erwerbsarbeit & Materielle Situation

S. 25–26: Aussagen liegen vor allem zur materiellen Absicherung vor. Die Wohnbegleitung unterstützt bei der Sicherung des Lebensunterhalts, Behördenangelegenheiten und teilweise bei der Überleitung in Rentenleistungen. Gleichzeitig berichten kooperierende Dienste, dass sich die Einkommenssituation einzelner Teilnehmender trotz Housing First nicht verbessert habe.