European Housing First Partners Conference Programm
Housing First für junge Menschen (HF4Y) – Überblick und Umsetzung
Präsentation von Housing First for Youth (HF4Y) teil – einem jugendorientierten Ansatz zur Bekämpfung von Jugendobdachlosigkeit. Die Präsentation stellt die zentralen Prinzipien von HF4Y vor, zeigt auf, wie das Housing-First-Modell an die spezifischen Bedürfnisse von Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren angepasst wurde, und betont dabei den unmittelbaren Zugang zu Wohnraum, Bildung, Arbeit und sozialen Beziehungen.
Themenschwerpunkte:
- Die Unterschiede zwischenHousing First (HF) und Housing First for Youth (HF4Y), insbesondere im Hinblick auf entwicklungsbedingte Bedürfnisse junger Menschen
- Grundprinzipien wie Selbstbestimmung, individuelle Unterstützung und soziale Inklusion
- Angebote vonA Way Home, darunter Schulungen, Beratung, politische Interessenvertretung sowie die Bedeutung von Umsetzungsqualität (fidelity) und unterstützenden Strukturen für eine erfolgreiche Implementierung
- Konkrete Schritte zur Umsetzung von HF4Y in Kommunen und Voraussetzungen für die Einsatzbereitschaft von Organisationen
Referentin:
Heidi Walter, A Way Home Canada, Calgary, Kanada
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Housing First in Stockholm – Lehren aus einem Jahrzehnt des Wachstums
Housing First ist seit 2016 eine eigenständige Einheit innerhalb der Sozialdienste der Stadt Stockholm. Der Ansatz richtet sich an besonders vulnerable Menschen mit komplexen Unterstützungsbedarfen und langjähriger Wohnungslosigkeit.
Dank politischer Unterstützung und vielfältiger Kooperationen konnte die Einheit von anfangs 25 auf rund 140 Mieter*innen wachsen – mit vielversprechenden Ergebnissen: 75 % Wohnstabilität und eine verbesserte Lebensqualität.
Basierend auf den Ansätzen des Pathways Housing First Institute und dem Housing First Europe Guide spiegelt das Modell in Stockholm sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen wider, Housing First in den schwedischen Wohlfahrtsstaat zu integrieren.
Der Workshop bietet Einblicke in die Umsetzung, Methoden zur Erfolgskontrolle sowie Rückmeldungen der Nutzer*innen. Die Teilnehmenden sind eingeladen, Erfahrungen zu teilen, Perspektiven auszutauschen und gemeinsam zu überlegen, wie sich diese Erkenntnisse auf die eigene Praxis übertragen lassen und zur Weiterentwicklung beitragen können.
Referierende:
Ninja Larsson, Housing First Stadt Stockholm, Stockholm, Schweden
Anna Chronéer, Housing First Stadt Stockholm, Stockholm, Schweden
Marcus Knutagård, Universität Malmö, Malmö, Schweden
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Ein praxisorientiertes Toolkit zur Umsetzung von Harm Reduction im Rahmen von Housing First
In diesem Workshop wird ein Best-Practice-Toolkit vorgestellt, das die Umsetzung von Harm Reduction(Schadensminimierung) im Kontext von Housing First unterstützt. Das Toolkit wurde von Simon Community Scotland(SCS) in enger Zusammenarbeit mit Support-Mitarbeitenden, Leitungspersonal und Menschen mit Housing-First-Erfahrung entwickelt. Grundlage bildeten Fokusgruppen, Umfragen sowie eine Literaturauswertung – getragen von einem konsequent co-produktiven Ansatz.
Das Toolkit beleuchtet theoretische und praktische Schritte zur Verankerung eines der zentralen Grundpfeiler von Housing First. Wichtige Erfolgsfaktoren für Harm Reduction werden herausgearbeitet:
– Organisatorische Unterstützung durch Träger
– Akzeptanz in der Community
– Personenzentrierte Unterstützung
– Vertrauensvolle Beziehungen
Darüber hinaus werden konkrete Strategien vorgestellt, wie sich substanzbezogene und andere potenzielle Risiken (z. B. Glücksspiel, Messie-Verhalten) im Rahmen von Housing First reduzieren lassen. Auch der Schulungsbedarf für Fachkräfte wird thematisiert. Abschließend wird betont, wie wichtig es ist, die Housing-First-Prinzipien – einschließlich Harm Reduction – unabhängig von der Wohnform konsequent anzuwenden.
Referierende:
Kieran Turner, Simon Community Scotland, Edinburgh, Vereinigtes Königreich
Claire Longmuir, Simon Community Scotland, Edinburgh, Vereinigtes Königreich
Chris Fitzgerald, Simon Community Scotland, Edinburgh, Vereinigtes Königreich
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Tiere in der Housing-First-Unterstützungsarbeit – Komplexe Verbindungen
Housing-First-Teams begegnen in der täglichen Praxis einer Vielzahl von Tieren – von Maden bis zur Deutschen Dogge. Dies ist ein besonderer Aspekt der Arbeit: Man betritt das Zuhause eines Menschen, oft für eine Stunde, ohne vorher zu wissen, wer – oder was – einen dort erwartet.
Auch wenn Tiere nicht im Zentrum der Unterstützungsarbeit stehen, können sie schnell den Raum dominieren – physisch wie emotional. Während menschliche Themen gut dokumentiert und fachlich eingebettet sind, bleiben Tiere in der professionellen Praxis oft ein blinder Fleck.
In solchen Situationen müssen Fachkräfte professionell agieren und zugleich eigene Ängste, Erfahrungen und Wertvorstellungen reflektieren. Die gewohnten Unterstützungsstrukturen werden dabei herausgefordert – etwa durch Fragen des Tierschutzes, Vernachlässigung, rechtlicher Verantwortung oder der eigenen Sicherheit.
Auf Grundlage einer aktuellen Veröffentlichung schafft dieser Workshop Raum für Austausch und Reflexion über diese oftmals übersehenen, aber zentralen Fragen in der Housing-First-Praxis.
Referentin:
Muriel Allart, Smes, Brüssel, Belgien
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Sozialer Wohnungsbau in Norwegen – Nationale und lokale Ansätze
Die Norwegische Staatsbank für Wohnungsbau (Husbanken) ist die zentrale staatliche Institution zur Umsetzung der Wohnraumpolitik mit dem Ziel, allen Menschen ein gutes und sicheres Wohnen zu ermöglichen. In enger Zusammenarbeit mit den Kommunen unterstützt Husbanken strategische Führung, fördert zentrale Erfolgsfaktoren im sozialen Wohnungsbau und finanziert Wohnlösungen für benachteiligte Gruppen – darunter Kinder, ältere Menschen und Personen mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen.
Die Stadt Sandnes berichtet über ihre Erfahrungen mit der flächendeckenden Einführung von Housing First und FACT-Teams (Flexible Assertive Community Treatment) in der gesamten Kommune. Was zunächst als Pilotprojekt für eine kleine Zielgruppe begann, wurde 2022 auf alle Menschen mit funktionellen Beeinträchtigungen aufgrund von Sucht und/oder psychischer Erkrankung ausgeweitet.
Durch systematische Nachbetreuung und die gezielte Vermittlung in regulären Wohnraum konnten Wohnstabilität und Lebensqualität deutlich verbessert werden.
Die Präsentation beleuchtet auch nationale Entwicklungen rund um Housing First – darunter ein Netzwerk von 25 kommunalen Projekten, das vom Norwegian Resource Center for Community-Based Mental Health (NAPHA) koordiniert wird. Dieses Netzwerk stellt eine zentrale Lern- und Austauschplattform dar, die Wissen, Innovation und sektorübergreifende Zusammenarbeit auf allen staatlichen Ebenen fördert.
Referierende:
Liv Halseth, Husbanken – Norwegische Staatsbank für Wohnungsbau, Bekksetua, Norwegen
Petter Dahle, NAPHA – Norwegisches Ressourcenzentrum für gemeindenahe psychische Gesundheit, Norwegen
Nina Stokke, Kommune Sandnes, Norwegen
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Housing First in Irland – Politik, Praxis und Peer-Feedback in Einklang bringen
Diese Präsentation beleuchtet die gemeinsame Umsetzung des Housing First-Programms in Irland – mit besonderem Fokus auf die Integration von Wohnraum- und Gesundheitssystemen, von der nationalen Strategie bis zur praktischen Umsetzung vor Ort. Anhand aktueller Einblicke wird gezeigt, wie die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsdiensten und Kommunen weiterentwickelt wird, um den komplexen Bedürfnissen wohnungsloser Menschen gerecht zu werden – darunter Personen mit Suchtproblemen, Behinderungen oder psychischen Erkrankungen.
Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung strategischer Abstimmung, geteilter Verantwortung und datenbasierter Entscheidungsprozesse für den nachhaltigen Erfolg des Programms. Ebenso wird thematisiert, wie Rückmeldungen von Nutzer*innen, Peer-Mitarbeitenden und Fachkräften die Weiterentwicklung und Innovation im Programm vorantreiben.
Besonders hervorgehoben wird die Rolle von Peer-Support und gelebter Erfahrung bei der Umsetzung einer personenzentrierten, traumasensiblen Unterstützungsarbeit. Die Präsentation bietet praxisnahe Impulse und Empfehlungen für politische Entscheidungsträger*innen, Planende und Fachkräfte, die an der Ausweitung, Integration und langfristigen Sicherung von Housing First beteiligt sind.
Referierende:
Antonia Bura, Health Service Executive (HSE), Dublin, Irland
Rob Lowth, Housing Agency, Dublin, Irland
Gráinne Johnston, Housing Agency, Dublin, Irland
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Housing First Glasgow – Wir wissen, dass es wirkt!
Diese Workshop-Präsentation nutzt Ausschnitte aus dem Film Someone’s Daughter, Someone’s Son (2024 im Kino, jetzt kostenlos auf YouTube) als anschauliches Beispiel für gelebte Housing-First-Praxis.
Der Film stellt drei Protagonist*innen vor – ehemals obdachlos, heute wieder im Leben angekommen. Er zeigt, was sie auf die Straße trieb und wie Housing First ihnen half, ihr Leben zurückzugewinnen.
Zu Wort kommen auch die Regisseurin selbst, die früher auf der Straße lebte, sowie verschiedene Akteur*innen aus dem Bereich Wohnungslosigkeit. Wir lernen unter anderem Jamie aus Glasgow kennen – jung, aber mit viel Erfahrung von Trauma und Obdachlosigkeit – und erfahren aus erster Hand, warum und wie Housing First für ihn funktioniert hat.
Gegen Ende findet eine 20-minütige Live-Fragerunde mit Grant Campbell vom Homeless Network Scotland statt. Zudem werden Videoeinspielungen mit Updates von Personen aus den im Film gezeigten Organisationen und weiteren zentralen Mitwirkenden gezeigt.
Referierende:
Claire Lewis, Dartmouth, Winchester, Vereinigtes Königreich
Grant Campbell, Homeless Network Scotland, Vereinigtes Königreich
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Ausstieg aus Housing First – Erkenntnisse aus dem irischen Modell
Diese Präsentation beleuchtet das Phänomen des Ausstiegs (Disengagement) aus dem Housing First-Programm in Irland auf Basis eines praxisorientierten Forschungsdesigns mit qualitativen und quantitativen Methoden. Die Ergebnisse beruhen auf Interviews mit 29 Klient*innen sowie einer Befragung von 106 Fachkräften aus NGOs, Wohnungswesen, Gesundheitsdiensten und Personen mit eigener Erfahrung von Wohnungslosigkeit.
Disengagement wird dabei als Spektrum verstanden – von unregelmäßigem Kontakt bis hin zum vollständigen Rückzug – beeinflusst durch Faktoren auf System-, Dienstleistungs-, Programm-, Gemeinde- und individueller Ebene. Als zentrale Ursachen wurden unter anderem identifiziert:
– Systemische Belastungen und Fachkräftemangel
– Komplexe Bedarfe (z. B. duale oder multiple Diagnosen)
– Abweichungen vom ursprünglichen Programmkonzept (program drift)
– Mangel an umfassenden Unterstützungsangeboten
Auch Herausforderungen auf Gemeindeebene – etwa Substanzkonsum im Umfeld, „Gatecrashing“ (ungebetene Gäste) oder soziale Isolation – erschweren eine langfristige Bindung.
Förderliche Faktoren für stabile Beziehungen sind u. a.:
– Beständige Betreuungspersonen (staff stickability)
– Protokolle für Ausstiegs- und Wiedereinstiegsprozesse
– Praktische, flexible Unterstützungsformen
– Zusammenarbeit über Sektorgrenzen hinweg
Die Studie zeigt sowohl strukturelle Hürden als auch erfolgreiche Gegenstrategien auf und liefert konkrete Handlungsempfehlungen für europäische Housing-First-Akteurinnen, um Klientinnen langfristig zu binden, Programmqualität zu sichern und nachhaltige Wohnperspektiven für besonders komplexe Zielgruppen zu schaffen.
Referierende:
Lynne Cahill, Genio, Dublin, Irland
Dr. Niamh Lally, Genio, Dublin, Irland
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Entwicklung einer Social-Prescribing-Intervention für Teilnehmende von Housing-First-Programmen
Forschungsergebnisse aus verschiedenen Ländern bestätigen die Wirksamkeit von Housing First bei der Beendigung von Wohnungslosigkeit für die meisten Menschen. Weniger überzeugend sind bislang jedoch die Ergebnisse in Bezug auf soziale Teilhabe und Integration in die Gemeinschaft. Fachkräfte und Forschende betonen daher den Bedarf an ergänzenden Interventionen, die gezielt auf Community Integration abzielen.
Diese Präsentation stellt die Ergebnisse eines Pilotprojekts vor, das in zwei Housing-First-Programmen in Ottawa (Kanada) mit 24 Klientinnen und 15 Fallmanagerinnen durchgeführt wurde. Ziel war die Entwicklung und Umsetzung einer Social-Prescribing-Intervention – also der gezielten Vermittlung zu sozialen Angeboten und Aktivitäten.
Inhalte der Präsentation sind unter anderem:
- Ergebnisse der Bedarfsanalyse, auf deren Basis die Intervention entwickelt wurde
- Zentrale Elemente von Social Prescribing aus der Fachliteratur
- Die Rolle von Fallmanager*innen als Wegweiser im Sozialraum
- Entwicklung einerCommunity Asset Map zur Identifikation relevanter Angebote
- Aufbau einerCommunity of Practice zur fachlichen Unterstützung der Fallmanager*innen
- Einrichtung einer Peer-Support-Gruppe für die Teilnehmenden der Intervention
Abschließend werden die Ergebnisse und Wirkungen der Intervention auf die soziale Teilhabe der Teilnehmenden vorgestellt und diskutiert.
Referent:
Tim Aubry, School of Psychology und Centre for Research on Educational and Community Services, University of Ottawa, Kanada
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Unabhängig, dezentral und dauerhaft – Housing First und soziale Teilhabe
Basierend auf 15 Jahren Erfahrung mit Housing First betonen wir, dass die Grundprinzipien unabhängiges, dezentral verteiltes und dauerhaftes Wohnen entscheidend sind, um eine umfassende soziale Teilhabe zu ermöglichen.
Das Leben in einer eigenen Wohnung vermittelt Sicherheit, Privatsphäre, Identität und ein Gefühl von Selbstbestimmung. Es erleichtert die Teilnahme am Gemeinschaftsleben sowie den Kontakt zu Nachbar*innen – und fördert so das Gefühl, dazuzugehören.
Die dezentrale Verteilung der Wohnungen über verschiedene Stadtteile – statt Konzentration in einem Gebäude oder einer Straße – verhindert Segregation und Stigmatisierung und schafft bessere Voraussetzungen für soziale Integration.
Dauerhafter Wohnraum wiederum bietet die stabile Grundlage, um Schritt für Schritt wieder gesellschaftliche Teilhabe und bürgerschaftliche Rechte zu erlangen.
In dieser Präsentation werden wir diese grundlegenden Prinzipien näher erläutern und Einblicke in Erkenntnisse aus unserer laufenden Evaluation zur Community Integration geben.
Referent:
José Ornelas, ISPA – Instituto Universitário, Lissabon, Portugal
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Zentrale Erkenntnisse aus dem Housing-First-Pathfinder-Programm in Schottland
Diese Präsentation fasst neun zentrale Erkenntnisse aus der unabhängigen Evaluation des schottischen Housing First Pathfinder-Programms zusammen. Das Programm zielte auf den flächendeckenden Ausbau von Housing First in fünf Regionen ab und konnte innerhalb von drei Jahren 579 Menschen mit Wohnungslosigkeit und sogenannten komplexen Bedarfen dauerhaft unterbringen.
Im Fokus stehen sowohl die Erfolge als auch die Grenzen des Programms sowie fördernde und hemmende Faktoren für die Umsetzung und Verankerung von Housing First im Regelangebot. Viele der gewonnenen Einsichten dürften auch für andere Länder von Relevanz sein, die Housing First weiter ausbauen oder strukturell verankern möchten.
Die Evaluation kommt zu dem Schluss, dass das bislang bestehende politische Engagement unbedingt aufrechterhalten werden muss. Ebenso sei es zentral, der ursprünglichen Programmlogik und den Kernprinzipien von Housing First treu zu bleiben – nur so könne Schottland seine Rolle als Housing-First-Vorreiter auch künftig glaubhaft ausfüllen.
Referentin:
Sarah Johnsen, University of Edinburgh, Edinburgh, Vereinigtes Königreich
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Das Wohnungslosensystem im Wandel – 15 Jahre Housing First in England
In England hat sich Housing First parallel zum bestehenden Wohnungslosensystem entwickelt. Dabei wurden beeindruckende Fortschritte erzielt: Rund 150 Housing-First-Programme wurden aufgebaut und unterstützen seither Tausende Menschen dabei, Wohnungslosigkeit zu überwinden und Wege in Unterstützung und Stabilisierung zu finden.
Gleichzeitig steht der Ansatz vor zahlreichen Herausforderungen: drohende Förderstopps, Mangel an bezahlbarem und geeignetem Wohnraum sowie die Zersplitterung der Systeme für Gesundheit, Wohnen und soziale Betreuung.
Diese Präsentation beleuchtet den aktuellen Wendepunkt, an dem sich Housing First in England befindet – und stellt die Frage: Wie geht es weiter?
Können wir aus den bisherigen Erfahrungen lernen und die nötigen systemischen Veränderungen anstoßen, um Wohnungslosigkeit wirklich zu beenden?
Können wir den Schritt von einem System der Übergänge hin zu einem System der Dauerhaftigkeit schaffen – und damit eine Philosophie des „Housing, First“ in ihrer vollen Bedeutung verwirklichen?
Referent:
Alex Smith, Senior Programme Manager, Homeless Link, Vereinigtes Königreich
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Von Pathways zur Praxis – Housing First in Frankreich
Das französische Programm Un Chez Soi d’Abord, das 2011 auf Basis des Pathways to Housing-Modells gestartet wurde, ist heute ein zentraler Bestandteil der nationalen Strategie zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Aufgrund der überzeugenden Ergebnisse wurde das Programm schrittweise auf über 40 Städte ausgeweitet.
Diese Präsentation zeigt, wie Frankreich daran arbeitet, die Grundprinzipien von Housing First zu wahren – und gleichzeitig das Modell an die vielfältigen territorialen Gegebenheiten anzupassen. Im Fokus stehen dabei Instrumente wie die Housing First Fidelity Scale, der gezielte Einsatz von Peer Support und die sektorenübergreifende Zusammenarbeit.
Darüber hinaus werden aktuelle Entwicklungen vorgestellt: etwa der Ausbau von Housing First für junge Menschensowie erste Ansätze zur Umsetzung in ländlichen Regionen. Herausforderungen wie Wohnraummangel und Finanzierungssicherheit werden offen thematisiert – stets mit dem Ziel, tragfähige, kontextsensibel angepasste Housing-First-Strukturen in ganz Europa zu etablieren.
Referent:
Raphaël Bouloudnine, Nationaler Koordinator des Programms „Un Chez Soi d’Abord“, DIHAL, Frankreich
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Beiträge aus dem deutschsprachigen Raum
Superkräfte statt Stigma – Sichtbarkeit und Selbstbestimmung als Schlüssel
Housing First für Frauen ist mehr als ein soziales Projekt – es ist ein feministischer Perspektivwechsel. Das Berliner Modell des SkF hinterfragt dominante Erzählungen: Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Versagen, sondern Folge struktureller Ungleichheit und patriarchaler Gewalt. Seit sieben Jahren vermittelt das Projekt erfolgreich Frauen in sicheren, dauerhaften Wohnraum – bedingungslos und ohne Anpassungsdruck. Mit einer Wohnstabilität von 90 % zeigt es: Vertrauen wirkt besser als Kontrolle.
Housing First für Frauen macht sichtbar, was lange unsichtbar war: weibliche Wohnungslosigkeit – oft geprägt von Gewalt, Armut und Ausgrenzung. Der Wohnungsschlüssel wird dabei zum Symbol: für Freiheit, Sicherheit, Autonomie und Heilung.
Dieser Beitrag zeigt, wie Housing First Machtverhältnisse infrage stellt, Stigmatisierungen durchbricht und Frauen darin unterstützt, ihre eigenen „Superkräfte“ zu entdecken. Es geht nicht um Almosen von oben, sondern um echte Teilhabe und das Zurückerobern von Räumen. Ein mutiges Modell – feministisch, radikal und wirksam – das neue Wege in der Wohnungslosenhilfe aufzeigt.
Referentinnen:
Christin Weyershausen, SkF Berlin, Deutschland
Marei Kleiner, SkF Berlin, Deutschland
Lena Wild, SkF Berlin, Deutschland
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Resilienz beginnt im Team – Housing-First-Teams stärken und Burnout vorbeugen
Housing First lebt von engagierten Teams – oft jung, mit viel Idealismus, aber auch mit hoher Belastung. Diese Präsentation gibt praxisnahe Einblicke, wie Teams resilient und motiviert bleiben können – selbst unter Druck.
Zentrale Fragen sind:
– Wie können Teams mit flachen Hierarchien und begrenzten Ressourcen wirkungsvoll und gesund arbeiten?
– Welche Rolle spielen geteilte Verantwortung, kollegiale Unterstützung und gelebte Selbstfürsorge?
– Und wie kann Burnout nicht nur individuell, sondern auch strukturell angegangen werden?
Anhand konkreter Erfahrungen – sowohl gelungen als auch herausfordernd – lädt der Vortrag zur Reflexion und zum Austausch ein: über Teamkultur, Belastungsgrenzen und die Notwendigkeit, Fürsorge als kollektive Aufgabe zu begreifen.
Referent:
Thomas Wagner, Mitglied im Housing First Bundesverband, Düsseldorf, Deutschland
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Mietüberwachung als Präventionsinstrument für Wohnsicherung im Housing-First-Modell
Mietrückstände gehören zu den häufigsten Gründen für Wohnungsverlust – selbst im Rahmen von Housing First. Um dem frühzeitig entgegenzuwirken, haben neunerhaus und neunerimmo ein strukturiertes System zur Mietüberwachung entwickelt. Durch enge Zusammenarbeit mit Vermieterinnen und Sozialarbeiterinnen können Warnsignale früh erkannt und gezielte Maßnahmen eingeleitet werden.
Die Präsentation zeigt, wie dieser kontinuierliche Prozess funktioniert, welche technischen und organisatorischen Strukturen dafür notwendig sind und wie die Koordination zwischen den Beteiligten erfolgt. Anhand konkreter Fallbeispiele werden Wirkung, Herausforderungen und Grenzen des Instruments veranschaulicht.
Referentinnen:
Claudia Halbartschlager, neunerhaus, Wien, Österreich
Ulrike Pilgram, neunerimmo, Wien, Österreich
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Wohnungslos und queer – Housing First für LGBTQ+ Personen: Erfahrungen teilen
In diesem interaktiven Workshop stellen wir das LGBTQIA+-spezifische Housing-First-Programm der Schwulenberatung Berlin vor – Europas größter queerer NGO. Im offenen Fishbowl-Format diskutieren Expert*innen von Housing First Queer zentrale Themen wie Gesundheitsversorgung, Transition, Peer Support, Community-Building, Diskriminierung und organisationsübergreifende Zusammenarbeit.
Gemeinsam mit den Teilnehmenden gehen wir praktischen Herausforderungen auf den Grund und teilen innovative Lösungsansätze. Die Session bietet eine besondere Gelegenheit zum Austausch über Best Practices und zur Entwicklung von Strategien für eine inklusive Wohnraumversorgung und Unterstützung queerer Menschen – und schafft Raum für neue Netzwerke und Kooperationen.
Referierende:
Anjes Sanogo, Housing First Queer / Schwulenberatung Berlin, Deutschland
Momo Grace Schmülling, Housing First Queer / Schwulenberatung Berlin, Deutschland
Jo Hornung, Housing First Queer / Schwulenberatung Berlin, Deutschland
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Expertise durch Erfahrung – Peer-Arbeit in der Wiener Wohnungslosenhilfe im Kontext von Housing First
Seit 2019 sind Peer-Mitarbeitende fest in die Wiener Wohnungslosenhilfe eingebunden. Menschen mit eigener Erfahrung von Wohnungslosigkeit, die den Zertifikatslehrgang „Peers in der Wohnungslosenhilfe“ absolviert haben, sind ein fester Bestandteil der Housing-First-Teams bei neunerhaus. Sie bringen eine reflektierte Perspektive aus gelebter Erfahrung in die Unterstützungsarbeit ein.
In diesem interaktiven Workshop wird das Ausbildungsprogramm des neunerhaus Peer Campus vorgestellt und die spezifischen Rollen von Peer-Mitarbeitenden im Housing-First-Kontext beleuchtet. Die Teilnehmenden erhalten praxisnahe Einblicke in den Qualifizierungsprozess und die Wirkung von Peer-Arbeit.
Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt:
– Wie wird man Peer-Mitarbeiter*in? Was sind die Ziele der Peer-Ausbildung?
– Warum ist der Beruf Peer Worker gerade im Housing First so zentral?
– Und wie kann Peer-Arbeit dort wirkungsvoll eingesetzt werden?
Referentin:
Johanna Gabriel, neunerhaus Housing First und Mobile Wohnbegleitung, Wien, Österreich
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Housing First in Deutschland – Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen
Im europäischen Vergleich wurde der Housing First-Ansatz in Deutschland relativ spät eingeführt – dafür aber mit bemerkenswerter Dynamik. Frühere Debatten darüber, ob man dies nicht „sowieso schon tue“ oder ob die Umsetzung „am Wohnungsmangel scheitere“, sind inzwischen überwunden. Heute ist Housing First als Bestandteil eines differenzierten Hilfesystems für wohnungslose Menschen breit anerkannt.
Dennoch: Die meisten der rund 50 Housing First-Projekte in Deutschland sind bislang zeitlich befristete Modellprojekte.
Die Präsentation gibt einen Überblick über:
– Zielgruppen der bestehenden Projekte
– Strategien zur Wohnraumbeschaffung
– Personalfragen und Unterstützungsformate
– sowie über aktuelle Bemühungen und Herausforderungen beim bundesweiten Ausbau von Housing First in Deutschland.
Referent:
Volker Busch-Geertsema, GISS – Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung, Bremen, Deutschland
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Wer soll das bezahlen? – Rechtsanspruch und Finanzierung von Housing First
In diesem zweiteiligen Workshop widmen wir uns der zentralen Frage, wie Housing First nachhaltig und rechtssicher finanziert werden kann. Im Fokus stehen dabei der aktuelle Förderstatus, positive Erfahrungen mit der Überführung in Hilfen nach § 67 SGB XII sowie aktuelle Diskussionen zur Kombination mit Leistungen der Eingliederungshilfe.
Im ersten Teil des Workshops werden bestehende Finanzierungsmodelle analysiert und die Schnittstellen zwischen Housing First und anderen Hilfesystemen – insbesondere der Eingliederungshilfe – beleuchtet:
– Jutta Henke (GISS) gibt einen wissenschaftlich fundierten Überblick zum Stand der Housing First-Finanzierung in Deutschland.
– Anne Blankemeyer, bis 2021 Projektleiterin bei Housing First Bremen und erfahrene Praktikerin in der Eingliederungshilfe, stellt die Entwicklungen im Zuge des BTHG (Bundesteilhabegesetz) dar und zeigt auf, welche neuen Möglichkeiten sich daraus für die Umsetzung von Housing First ergeben.
Im zweiten Teil folgt eine Podiumsdiskussion mit Expert*innen aus Verwaltung, Praxis und Forschung, die unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zur Finanzierung und rechtlichen Verankerung von Housing First einbringen.
Referierende:
Jens Rockstedt, Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Berlin
Thorsten Bach, Koordinator für Wohnfragen und Wohnungslosigkeit, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt, Nürnberg
Jutta Henke, Geschäftsführerin GISS – Gesellschaft für innovative Sozialforschung e.V.
